Ein voller Saal, ehrliche Gespräche über „Working Parent Bias“, psychologische Sicherheit und mentale Gesundheit – und dann dieser Moment: Auf der Pax8 Beyond EMEA 2025 in Amsterdam wurde Britta Ghys-Pinke, CPO von aixpedIT, mit dem Pax8 Women in Technology Award ausgezeichnet.Natürlich freuen wir uns riesig für Britta über diese Anerkennung. Aber noch wichtiger ist, wofür sie steht: für Sichtbarkeit, für Vorbilder – und für den Kulturwandel in einer Branche, die unsere Zukunft prägt wie kaum eine andere.
Ein Award als Signal an die Branche
Pax8 beschreibt den Award als Auszeichnung für eine „Trailblazerin“, die fachlich überzeugt und zugleich andere Menschen in der Branche aktiv unterstützt und mentort. Denn echte Veränderung entsteht nicht durch einzelne Karrieren, sondern durch Netzwerke, Förderung und Türenöffnen.
Dass die Preisverleihung im Rahmen eines Women-in-Tech-Panels stattfand, ist kein Zufall: Die Themen dort zeigen, woran es in Tech-Teams oft noch hapert – nicht an Kompetenz, sondern an Rahmenbedingungen und Kultur.
Warum Frauen in der IT nicht „nice to have“ sind
Die IT-Branche baut die Infrastruktur unserer Wirtschaft: Cloud, Security, Datenplattformen, KI, digitale Prozesse. Wenn diese Systeme von zu homogenen Teams entworfen werden, entstehen blinde Flecken – bei Usability, bei Sicherheit, bei Fairness und oft auch bei der Frage, für wen Technologie eigentlich funktioniert.
Mehr Vielfalt bedeutet nicht automatisch bessere Entscheidungen – aber sie erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass unterschiedliche Perspektiven einbezogen werden. Gerade in Zeiten von KI, Automatisierung und steigender Komplexität ist das ein Wettbewerbsvorteil.
Die Realität: Europa braucht mehr ICT-Fachkräfte – und ohne Frauen wird das nicht klappen
Europa hat ein massives Fachkräfteproblem im IT-Bereich. 2024 waren EU-weit über 10 Millionen Menschen als ICT-Spezialist:innen beschäftigt – allein in Deutschland 2,3 Millionen (mehr als ein Fünftel des EU-Gesamtwerts).
Gleichzeitig ist die Geschlechterbalance weit entfernt: Die EU-Kommission hält fest, dass nur 1 von 5 ICT-Spezialist:innen eine Frau ist – und dass sich dieser Anteil seit 2015 kaum verändert hat.
Eurostat zeigt zudem: In Deutschland waren 2024 436.200 ICT-Spezialistinnen beschäftigt (bei insgesamt 2,3 Mio. ICT-Spezialist:innen). Anders gesagt: Aus den Zahlen ergibt sich grob „knapp jede Fünfte“ – und damit genau dieses strukturelle Ungleichgewicht.
Warum sich das Problem so hartnäckig hält
Die Bitkom-Studie 2025 macht deutlich, wie verbreitet die Unterrepräsentanz ist: In 94 % der Unternehmen arbeiten in IT- und Digitalberufen weniger Frauen als Männer. Dabei ist die IT-Branche prädestiniert, Ungleichheiten zu nivellieren: Weder körperliche Unterschiede noch der Arbeitsort spielen eine große Rolle. In keiner anderen Branche lässt sich Homeoffice so leicht flächendeckend umsetzen – Thema Vereinbarkeit von Beruf und Care-Arbeit (die meistens noch immer Frauensache ist).
Die Hürden sind bekannt – und leider oft systemisch: Unternehmen nennen u. a. mangelnde Betreuungsinfrastruktur, Hürden beim Wiedereinstieg/Quereinstieg und fehlende Frauennetzwerke.
Das heißt: Es reicht nicht, „mehr Frauen einzustellen“ zu wollen. Man muss die Bedingungen schaffen, unter denen Frauen bleiben, wachsen, führen – und andere nachziehen können.
Was Unternehmen jetzt konkret tun können
Wenn wir den Anteil von Frauen in IT nachhaltig erhöhen wollen, braucht es Maßnahmen, die im Alltag wirken – nicht nur Kampagnen. Ein paar Hebel, die sich in der Praxis bewähren:
- Sichtbarkeit & Role Models: Frauen in Tech-Rollen sichtbar machen – nicht als Ausnahme, sondern als Normalität.
- Mentoring & Sponsoring: Mentoring hilft beim Lernen; Sponsoring hilft beim Aufsteigen (weil Türen geöffnet werden).
- Karrierepfade & Teilzeit-Führung: Führung darf nicht an Vollzeit gekoppelt sein – sonst verliert man Talente in der Lebensphase, in der sie besonders viel Verantwortung tragen.
- Re- und Quereinstieg ermöglichen: Programme, die Wissen aufbauen, Selbstvertrauen stärken und echte Perspektiven bieten.
- Kultur der psychologischen Sicherheit: Wer sich nicht sicher fühlt, meldet sich seltener zu Wort – und wird seltener gesehen. Genau darüber wurde auch auf dem Panel gesprochen.
- Recruiting ohne Bias: Stellenausschreibungen, Interviewleitfäden, Bewertungskriterien – alles prüfen, was unbewusst aussortiert.
Was Brittas Auszeichnung für uns bedeutet
Der Pax8 Women in Technology Award würdigt nicht nur Brittas fachliche Leistung, sondern ausdrücklich auch ihre Rolle als Mentorin und Vorbild.
Für uns ist das Rückenwind – und Verpflichtung zugleich: Sichtbarkeit ist der Anfang. Der nächste Schritt ist, daraus Strukturen zu machen, die mehr Frauen den Weg in IT, Security, Cloud und KI öffnen – und sie dort erfolgreich halten.
Nochmals herzlichen Glückwunsch, Britta! Und an alle Frauen in Tech (und die, die es werden wollen): Die Branche braucht euch. Nicht irgendwann – jetzt.
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aixpedIT
08.03.26 08:00
